|Rezension| Pierce Brown „Red Rising“

redrising

Heyne fliegt * 14.09.2015 * OT: Red Rising (#1) * ISBN 978-3-453-53441-4

TB 12,99 € * eBook 9,99 € * Leseprobe

Klappentext

Darrows Welt ist brutal und dunkel. Wie alle Roten schuftet er in den Minen des Mars, um ein Leben auf der Oberfläche des Planeten möglich zu machen. Doch dann wird seine große Liebe getötet, und Darrow erfährt ein schreckliches Geheimnis: Der Mars ist längst erschlossen, und die Oberschicht, die Goldenen, leben in dekadentem Luxus. Darrow schleust sich in ihr sagenumwobenes Institut ein, in dem die Elite herangezogen wird. Er will einer von ihnen werden – um sie dann vernichtend zu schlagen …Meinung

Mein erster Gedanke zu Red Rising? „Bei diesem Buch kannst du auf keinen Fall essen.“ Red Rising ist derbe in jeder Hinsicht – hier wird sich in keinster Weise zurückgehalten mit ekligen Lebensumständen oder Grausamkeiten. Und das fand ich gut! Das ist keine weichgespülte Dystopie, in der sogar noch die schlimmsten Lebensumstände romantisiert werden. Es ist dreckig, anstrengend, dunkel unter der Marsoberfläche. Und es stinkt. Und drüber übrigens auch. Hier wird nicht an Brutalität und Leichen gespart, sondern gezeigt, was passiert, wenn man eine Menge machthungriger Teenager zusammen steckt und ihnen freien Lauf lässt oder sie gar aus politischen Gründen in ihrer Grausamkeit noch unterstützt.

Weil die Lebensumstände eben so sind wie sie sind, werden die Roten auch nicht alt und müssen mit 13 schon erwachsen sein. Das sind sie aber nicht. Dieser Zwiespalt hat mich zu Beginn gestört. Darrow war so bockig, besserwisserisch und naseweis, wie es Teenager eben sind. Auch wenn er nun schon verheiratet ist und Verantwortung für seine Familie übernimmt und dazu noch eine traumatisierende Vergangenheit hat, ist er doch nicht so erwachsen, wie es Protagonisten in ähnlich gelagerten Büchern sind, selbst wenn er sich dafür hält. Aber wäre er das wirklich gewesen, hätte er sich nicht in die Lage manövrieren lassen, sich unter die Goldenen zu mischen. Denn das ist bei Weitem nicht seine eigene Entscheidung, sondern er lässt sich von allen – immer mit seinem toten Vater und seiner toten Frau als Joker – manipulieren und einreden, dass er das tun möchte oder muss. Und er hätte über Entscheidungen, die er in der Ausbildung getroffen hat, vielleicht länger und tiefer nachgedacht. Darrow lernt nach dem Motto Trial and Error. Sein jugendlicher Hochmut und seine Emotionsgeladenheit sind am Schluss sein Erfolgsrezept, weil er sich unter den Goldenen zwischen Gleichgestrickten befindet, die aber zusätzlich dazu ihr Leben lang verhätschelt wurden, im Gegensatz zu ihm.

Das Erzähltempo war ganz schön happig – alles geht zackzack und manchmal, wenn ich etwas geistesabwesend gelesen habe, musste ich zurückblättern, weil ich irgendeine wichtige Wendung verpasst habe. Das war einerseits ganz nett, weil eben nicht öde, andererseits fiel es mir so unheimlich schwer, mich mit den Figuren zu verbinden, weil auf deren großartige Entwicklung kein besonderer Wert gelegt wird. Wieso mag Darrow den einen und den anderen nicht – das konnte ich oft nicht nachvollziehen. Die waren ja sowieso nur kurz mal Teil der Handlung. Auch hatte ich die ersten 50 Seiten eigentlich herzlich wenig Ahnung, was überhaupt abging – Welteneinführung? Achnö, lass mal. Lass mal lieber ganz viele Begriffe ausdenken und für die Begriffe dann noch Spitznamen und dann zusehen, wie der Leser blind darin herumstolpert. Tatsächlich packten mich Story und Figuren erst, als Darrow seine Ausbildung beginnt und plötzlich vergaß ich so oft wie die Figuren selbst, dass sie sich in einer simulierten Situation befinden und nicht in einem wahren Krieg. Ich wollte das Buch gar nicht mehr zur Seite legen, so gefesselt war ich von allem, was ihm und seinen neugefundenen Freunden zustieß. Und ja, ich habe um die eine oder andere Figur getrauert, weil sie mir dann doch ans Herz gewachsen war. Nicht jede Wendung war so undurchsichtig, wie sie geplant war, aber das kann ich verzeihen – Red Rising war einfach unheimlich packend.

Insgesamt sah ich schon einige Parallelen zu bekannten Dystopien wie Battle Royale, The Hunger Games oder Enders Game und vielleicht mochte ich das Buch letztendlich deswegen auch so gerne, weil es auf den einfachen Schienen Spannung und Entsetzen fährt, die einen an die Story fesseln, aber auf ganz neue Weise.

FazitBrutal – brutale Umstände, brutal in die Welt geworfen, brutal begeistert worden.

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Ein Gedanke zu “|Rezension| Pierce Brown „Red Rising“

  1. Miss Bookiverse schreibt:

    Ich hab gerade erst das Hörbuch beendet und hatte ein paar ähnliche Probleme. Es ist einfach so irre viel und Schlag auf Schlag, dass ich mich ständig wieder orientieren musste. Insgesamt hat es mir aber genauso gut gefallen wie dir. Ich glaube nur, dass ich das Buch irgendwann noch mal lesen muss, um es richtig genießen zu können.

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