|Lesung| Kerstin Gier beim Leselust Festival

Im Rahmen des Leselust-Festivals in Bayreuth kam auch Kerstin Gier endlich einmal in meine Nähe (das ist ja so mit am Popo der Welt leben und Lesungen). Nachdem ich schon die Livestreamlesung zur Veröffentlichung von Silber – Das dritte Buch der Träume nur halb verfolgen konnte, freute ich mich umso mehr, sie endlich einmal live erleben zu können. Als einsamer Wolf hatte ich auch noch das Glück, in der zweiten Reihe einen Platz zu ergattern, obwohl die ersten drei Reihen fast komplett reserviert waren (was ich persönlich etwas ärgerlich fand, weil ich mitbekommen habe, dass so mancher, der da rumsaß, irgendwie nur Däumchen gedreht hat und scheinbar gar keine Ahnung hatte, in was er hereingeraten war).

Kerstin und Ken

Kerstin Gier kam in Begleitung mit Rasierspaßken und war so fröhlich und witzig, wie ich sie aus der Livestreamlesung her kannte. Da der Großteil des Publikums den dritten Teil, sehr viele sogar die ganze Reihe gar nicht kannten, hatte sie wohl so einige Schwierigkeiten damit, das Publikum nicht zu spoilern oder nur Sachen zu verraten, die einem das Lesevergnügen nicht kaputtmachen. Ich bin mir aber ziemlich sicher, dass viele hinterher angefangen haben, die Bücher zu lesen, weil sie so wunderbar witzig vorgelesen und erzählt hat, auch wenn ihr am Ende wirklich ein kleiner Spoiler herausgerutscht ist. Dadurch, dass sie zwischendrin nicht so viel erzählen konnte, hat sie sogar noch eine Textstelle mehr vorlesen können.

Danach war noch Zeit, um Fragen zu beantworten. Erfahren haben wir also Folgendes:

  • Die Filmrechte für Silber sind verkauft, mehr tut sich da momentan aber nicht. Sie würde selbst auch keine Drehbücher schreiben, weil ihr da zu viele Menschen mit reinreden. Das überlässt sie eher den Profis, auch wenn sie selbst eine neue Filmidee hätte.
  • Kerstin Gier hat keine Schauspieler im Kopf, wenn sie ihre Bücher schreibt. Sowieso hat sie dabei keine Gesichter vor Augen. Ihre Figuren nimmt sie selten aus dem echten Leben, trifft aber im Nachhinein hin und wieder jemanden, der ihren Figuren sehr ähnelt
  • Ihr nächstes Buch ist ein Einzelband, der nicht in London spielt. Dass die Edelstein- und die Silbertrilogie in London spielen, lag daran, dass der Verlag für die erstere einen Handlungsort in Europa haben wollte und sie sich dafür London ausgesucht hat. Weil sie also eh schon so genau recherchiert hatte und London sehr mag, blieb sie für Silber einfach dort.
  • Sie mag Eva Völler, Jonathan Stroud und Neil Gaiman gerne, liest aber sowieso alle Genre außer SciFi und High Fantasy.
  • Ihr letztes Buch gefällt ihr immer am besten, weil sie gedanklich noch so mit der Welt verwoben ist.
  • Ihre Traumtür wäre gerade schwarz.
  • Sie hat keinen Lieblingscharakter und schreibt auch gerne die Bösewichte und gemeinen Charaktere, weil das so viel Spaß macht.
  • Sie schreibt immer nur ein Buch auf einmal und das möglichst täglich, wenn es geht. Beim Schreiben lacht und weint sie und redet leise vor sich hin. Dialoge spielt sie mit ihrer Familie nach, um zu sehen, wie sie gesprochen klingen.
  • Die Idee mit den Träumen hatte sie schon früh, hat die Bücher aber erst geschrieben, als sie genug Ideen miteinander verbinden konnte.
  • Zu Beginn hat sie Fanfictions gelesen, aber damit hat sie aufgehört, weil die Figuren immer geheiratet haben und Kinder bekamen. Außerdem gibt es jetzt zu viele davon, um sie alle zu lesen. Sie findet es aber toll, wenn jemand so seine Kreativität ausdrückt und sieht das als ersten Versuch, komplett ohne Vorlage kreativ zu werden.
  • Sie mag persönlich Reihen nur selten, aber bei guten Büchern wartet sie gerne auf die Folgebände (wie z.B. bei Harry Potter). Die Edelsteintrilogie hätte keine Reihe werden müssen, war aber als solche gewünscht und ihr erster Versuch, mit dem sie selbst nicht vollständig zufrieden ist.
  • Sie vergisst Details aus ihren alten Büchern.
  • Bevor sie zu schreiben beginnt, hat sie sich die Geschichte schon gut vorüberlegt, hat zwischendrin aber Schreibkrisen.
  • Im ersten Band wusste sie noch nicht, wer Secrecy ist, und hatte eine Auswahl von 5 Personen.

Kerstin.jpg

Etwas nervig fand ich, dass gegen Ende der Fragen schon Leute aus dem Saal gerannt sind und sich dabei durch die Stuhlreihen gequetscht haben. Ich verstehe ja voll, dass man gerne weit vorne in der Signierschlange stehen möchte, vor allem bei den Massen, die anwesend waren, aber es hat einfach echt gestört und den Eindruck gemacht, als wäre das, was Kerstin Gier erzählt, einem nicht so besonders wichtig. So wurde die Fragerunde dann auch abgebrochen, weil die Signierschlange schon bis zur Saaltür stand.

signierhaufen.jpg

Was dann folgte, kannte ich bisher von Lesungen im Zentrum so auch nicht. Es gab keine Signierschlange mehr, sondern einen Signierhaufen. Von allen Seiten her schoben sich die Menschen an den Signiertisch heran, zwischen denen sich dann auch Leute durchgeschoben haben, die dringend zum Klo mussten. Das oben ist noch der einigermaßen gemäßigte Haufen zu Beginn. Ich stand in diesem Haufen ungelogen eine Stunde, um meine Bücher signieren zu lassen, und wäre wohl echt genervt gewesen, hätte ich nicht so unterhaltsame Leute um mich herum gehabt, die auch sehr rücksichtsvoll waren. Niemand hat geschoben, dich getreten oder versucht, sich vorzudrängeln, wobei ich sagen muss, dass die jüngeren Personen, die anstanden, wesentlich hilfsbereiter waren und alles geteilt haben, was man bekam, als die Älteren, die über unsere Köpfe hinweg einfach alles geschnappt und dann erstmal gebunkert haben. Super Vorbild, Leute! Die Organisatoren haben sich echt Mühe gegeben, uns bei Laune zu halten, haben Pfefferminzdrops ausgeteilt und versucht, die Zettel, auf die wir unsere Namen notieren sollten, und die dazugehörigen Stifte wirklich überall unterzubringen.

Trotz dass ich mir am Ende so die Beine in den Bauch gestanden habe, war ich sehr begeistert von der Lesung und habe sicher auch nächstes Jahr wieder ein Auge auf das Leselust Festival, das in Bayreuth stattfindet – vielleicht begleitet mich ja diesmal jemand. Kerstin war spontan und witzig und sehr freundlich und bemüht, auch wenn sie ewig signieren musste. Natürlich wäre es noch schöner gewesen, man hätte auch ein Foto mit ihr machen können, aber das war verständlicherweise im Rahmen der Veranstaltung nicht möglich. Vielleicht beim nächsten Mal dann.

Die Fotos habe ich mit freundlicher Erlaubnis von der Leselust-Facebookseite nehmen dürfen, vielen Dank! Meine Kamera hat echt nur Murks gemacht an diesem Abend.

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