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|Rezension| Sophie Jordan „Infernale“

infernale

Loewe * 15.02.2016 * OT: Uninvited (#1) * ISBN 978-3-7855-8167-4

HC 17,95 € * eBook 13,99 € * Leseprobe * Autor

Klappentext

Als Davy in einem DNA-Test positiv auf das Mördergen Homicidal Tendency Syndrome (HTS) getestet wird, bricht ihre heile Welt zusammen. Sie muss die Schule wechseln, ihre Beziehung scheitert, ihre Freunde fürchten sich vor ihr und ihre Eltern meiden sie. Aber sie kann nicht glauben, dass sie imstande sein soll, einen Menschen zu töten. Doch Verrat und Verstoß zwingen Davy zum Äußersten. Wird sie das werden, für das alle Welt sie hält und vor dem sie sich am meisten fürchtet – eine Mörderin?
MeinungWie viel von dem, was uns als Menschen ausmacht, liegt in unserer DNA? Mit dieser Frage beschäftigt sich Infernale. In Davinas Zukunft wurde das sogenannte Mördergen entdeckt, das angeblich alle, die je einen Mord begangen haben, in sich tragen. Da die Kriminalitätsrate weiter und weiter steigt, ist es gelungen, ein Gesetz zu beschließen, das einen Test auf das HTS – das Homicidal Tendency Syndrome – in Amerika zur Pflicht zu macht.

Tatsächlich ist die Hauptfrage in diesem Buch, ob es unsere Gene unumgänglich machen, dass wir uns in eine bestimmte Richtung entwickeln, oder ob es die äußeren Umstände sind, die uns in Rollen zwingen, die wir gar nicht erfüllen wollten. Für Davy ist dies die Hauptfrage – dass sie das Gen trägt, ist für alle Schock und Überraschung zugleich, weil sie eine strahlende Zukunft als Musikwunderkind und Einserschülerin vor sich hatte. Bis dato und auch über ihr Outing hinaus hat sie immer wieder den Eindruck, dass man anderen ansehen könne, ob sie das Gen zu Recht tragen, und ist zu Anfang auch der festen Überzeugung, dass sie fälschlicherweise zwischen all den zukünftigen Straffälligen gelandet ist. Nichtsdestotrotz dauert es nicht lange, bis sie selbst markiert wird. Als Leser kann man beobachten, wie Davy und ihre neuen Freunde immer wieder in ihre Rolle gezwängt werden, egal ob sie zwickt und gar nicht passt, und wie sie sich dabei unwohl fühlen und in ihrer eigenen Überzeugung, ein guter Mensch zu sein, immer wieder aufs Neue erschüttert werden.

Infernale beginnt sehr langsam und beschäftigt sich über lange Zeit mit Davys Selbstzweifeln und ihrem Kampf, sich von ihrem alten Leben zu lösen und sich im neuen zurechtzufinden. Ihr Umfeld reagiert – mit Ausnahme ihres Bruders – durchweg negativ bis dahin, dass man als Leser völlig entsetzt ist. Menschen, die sie für ihre Freunde gehalten hat, fallen ihr in den Rücken und halten sie sogar für Freiwild, an dem man sich vergehen kann und das dafür auch noch dankbar sein sollte. Und nicht nur die – plötzlich hat Davy als Mensch keinen Wert mehr. Auch mit der Beziehung zwischen Sean und Davy lässt sich die Autorin Zeit – so viel Zeit, dass ich nach jeder verschwendeten Kussgelegenheit das Buch kurz zur Seite legen musste, um frustriert mit den Figuren zu stöhnen. Aber irgendwie gibt es auch nichts besseres, als eine sich schleichend entwickelnde Beziehung, bei der man auf den ersten Kuss lauert – das ist tausendmal lieber als die ominöse Liebe auf den ersten Blick.

Dass sich das Buch anschließend einer der momentan so beliebten Ausbildung-um-Leben-und-Tod-Richtungen einnimmt, bringt dann noch Schwung in die Sache. So ist das Setting und Drumherum nicht neu – Divergent, Red Rising und Co lassen grüßen –, aber spannender und rasanter als der Rest des Buches. Dieser Teil hätte ruhig noch mehr Platz einnehmen können.

FazitEin interessantes Gedankenexperiment, das erst gegen Ende hin in die Actionschiene rutscht.

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