|Rezension| Josph Fink & Jeffrey Cranor „Willkommen in Night Vale“

nightvale

Klett-Cotta * 19.03.2016 * OT: Welcome to Night Vale * ISBN 978-3-608-96137-9

HC 19,95 € * eBook 15,99 € * Leseprobe

Klappentext Night Vale, ein Städtchen in der Wüste. Irgendwo in der Weite des amerikanischen Südwestens. Geister, Engel, Aliens oder ein Haus, das nachdenkt, gehören hier zum Alltag. Night Vale ist völlig anders als alle anderen Städte, die Sie kennen – und doch seltsam vertraut.

Jackie Fierro betreibt schon lange das örtliche Pfandhaus in Night Vale. Eines Tages verpfändet ein Fremder einen Zettel, auf dem in Bleistift die zwei Worte ‚King City‘ geschrieben stehen. Jackie hat sofort ein merkwürdiges Gefühl. Kaum ist er in Richtung Wüste verschwunden, erinnert sich niemand an ihn – aber Jackie kann das Papier nicht mehr aus der Hand legen. Zusammen mit der alleinerziehenden Mutter eines jugendlichen Gestaltwandlers geht Jackie daran, das Rätsel von ‚King City‘ zu lösen. Ihr Weg führt die beiden in die Bibliothek von Night Vale, die allerdings noch kaum jemand wieder lebend verlassen hat.

Meinung

Tumblr – der Ort, an dem ich über Hypes stolpere und mich hinterher frage, wieso es Hypes sind oder mich mitten hineinstürze und voll dabei bin beim Hypen. So stolperte ich auch schon vor einer ganzen Weile über Ausschnitte aus dem Nightvale Podcast, dachte, das klänge schon irgendwie interessant – und habe sie dann doch nie angehört. Für mich schien das Buch die perfekte Situation, dem Hype nachzuspüren.

Nach dem ersten Kapitel, war das einzige, was mir in den Kopf schoss, nur: HÄ? Soll das irgendwie witzig sein? Oder so tiefsinnig, dass mein Kopf diese tiefe Tiefsinnigkeit einfach nicht erfassen kann? Was ist hier los? Auch die nächsten Kapitel wurde es nur mäßig besser. Ich versuchte, zwischen den gehäuften Wiederholungen und den völlig absurden Beschreibungen der Stadt irgendwo einen Handlungsfaden zu finden.

Tatsächlich gab es diesen Handlungsfaden wirklich, er war nur von links und rechts und oben und unten erdrückt von Informationen, die eigentlich keinen anderen Zweck hatten als die Stadt Night Vale zu beschreiben – die Geister und Engel und gestaltwandelnden Figuren, die verqueren Gebäude und Institutionen, die genau des Gegenteil von dem bedeuten, was sie in der normalen Welt bedeuten. Night Vale ist eine faszinierende Stadt mit einer interessanten Grundidee, das muss man den Autoren zu Gute halten. Doch sollte nicht die Stadt selbst die Geschichte, die in ihr spielt, so überdecken, dass sie gar keinen Platz mehr hat, sich zu entwickeln.

Dabei sind die Protagonisten sogar ziemlich sympathisch, denn obwohl sie in einer dermaßen verqueren Stadt leben und deswegen auch selbst nicht ganz normal sind – die eine altert nicht, der andere kann sich nicht entscheiden, ob er Junge oder Froschinsektirgendwas oder etwas noch Absurderes sein möchte -, sind sie auf der anderen Seite wie Du und Ich, gefangen in ihrem Alltag und ihrem Kampf mit sich selbst und dem, was sie eigentlich gerne sein möchten.

Fazit

Der Night Vale Podcast funktioniert – er funktioniert, weil er sich einfach um Night Vale dreht und nichts anderes behaupten möchte. Doch was als Podcast noch gut ist, scheitert hier am geschriebenen Wort, weil man mit anderen Erwartungen an ein Buch herangeht.

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3 Gedanken zu “|Rezension| Josph Fink & Jeffrey Cranor „Willkommen in Night Vale“

  1. JostruthJo schreibt:

    Ich habe Deine Rezi über Twitter gefunden und ich bin echt froh! Dieses Buch findet man gerade überall in den sozialen Netzwerken und ich habe mich die ganze Zeit gefragt, was daran so genial sein ist. Auch bei uns in Stuttgart ist hierzu eine Lesung geplant. Jetzt überlege ich, ob ich überhaupt hingehen soll.
    Ein bisschen hin und her gerissen bin ich schon.

    • umblaettern schreibt:

      Ich glaube, eine Leseprobe verschafft schonmal einen gute Eindruck davon, wie das Buch geschrieben ist und ob man damit was anfangen kann. :) Vielleicht gefällts dir ja auch.

  2. Seitenfetzer schreibt:

    Ave,
    ich war in letzter Zeit wohl zu wenig im Internet, dass ich davon noch nicht zu viel mitbekommen habe. Aber danke schonmal für die „Warnung“ vorab. Für mich als „Schauplatz-Ignorantin“ dürfte das Buch dann wohl weniger etwas sein, auch wenn eine Stadt voller übernatürlicher Wesen im ersten Moment doch interessant klingt.

    Mit freundlichen Grüßen,
    Seitenfetzer

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