|Einfach mal erzählt| Warum es nicht okay ist, das Wort Schlampe in einer Rezension zu verwenden

In letzter Zeit stolpere ich gehäuft über Rezensionen oder Filmbewertungen, in denen Protagonistinnen als Schlampen bezeichnet werden oder den Spitznamen „Schlampen-„irgendwer verpasst bekommen. Und jedes Mal, wenn ich das lese, wird mir ein bisschen übler. Ich lese ja bekanntlich keine Rezensionen von Büchern, die ich noch nicht gelesen habe oder Bewertungen von Filmen oder Serien, die ich nicht kenne. Ich habe diese Figuren vor Augen, die ich persönlich manchmal nicht leiden kann oder auch echt super finde, und keine davon hat verdient, Schlampe genannt zu werden. Meistens sind es unabhängige Frauen, die sich gerne sexy kleiden und sich nicht gerade der Monogamie verschrieben haben. Aber wieso auch? Wenn sie sich damit gut fühlen, dann ist das verdammt nochmal auch okay.

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Slut Shaming greift Frauen für ihr sexuelles Verhalten, Gebahren oder auch Kleidungsweise an, oder redet ihnen hierfür Schamgefühle ein. (feminismus101.de)

Gründe, warum ich es nicht okay finde, Protagonistinnen als Schlampen zu bezeichnen:

  1. Weil es einfach nicht okay ist, so etwas zu sagen – sei es nun zu einem echten Menschen oder einer Protagonistin.

Sie sind ja nicht echt, das tut ihnen ja nicht weh, wirst du denken. Doch es wird immer die Leserinnen geben, viele davon noch jung und auf der Suche nach einem Vorbild, die diese Figur lieben. Vielleicht nicht für ihre Kleidungswahl oder ihr Sexualleben (vielleicht aber ja doch?), sondern für alles, wofür sie sonst steht – für die Loyalität, die sie Freunden und Familie gegenüber zeigt, für ihren Mut, ihr Selbstbewusstsein, ihre Akzeptanz ihrer Selbst, für ihre Intelligenz. Diese Figur hat so viele Aspekte, die offenbar bewundernswert sind und zum Vorbild taugen – doch das Einzige, was scheinbar zählt, ist, wie sie sich kleidet und wie ihr Liebesleben aussieht. Ihr Vorbild bekommt ein abwertendes Label – was sagt ihnen das? Und selbst wenn sie sie dafür bewundern, dass sie so selbstbewusst zu sich, ihrem Körper und ihrer Sexualität stehen: Verdammt nochmal ja, gut so!

Da kommen wir schon zu Punkt 2:

  1. Eine Figur ist immer mehr als das, was sie trägt und wen sie sich ins Bett holt.

Der Autor und die Autorin hat sich sicher etwas dabei gedacht (oder zumindest möchte man das hoffen), wie sie ihre Figur gestaltet hat. Vielleicht zieht sich die Protagonistin gar nicht so sexy an, weil sie unbedingt Hinz und Kunz dazu bringen möchte, mit ihr in die Kiste zu steigen? Vielleicht fühlt sie sich wohl in ihrem Körper, vielleicht möchte sie für sich selbst sexy sein? Und selbst wenn sie möchte, dass man sie bewundert – was daran ist so verwerflich? Tun wir das nicht auch jeden Tag, wenn wir uns herrichten, uns anziehen und überlegen, wie wir an diesem Tag auftreten – wir wollen uns wohl fühlen in unserem Körper und ein Kompliment hier und da ist doch schön. Ist es nicht gut, wenn man eine Figur hat, die man zeigen möchte; dass man ruhig auch zeigen kann, wenn man sich mal gut fühlt – fühlen wir uns doch an genug Tagen auch zum Verkriechen, weil die Haare nicht sitzen oder die Pickel sprießen oder diese kleine Rolle an der Hüfte uns mächtig stört? Und ist denn wirklich das hervorstechendste Merkmal einer Figur, was sie trägt und wie sie ihr Sexleben ausgestaltet? Möchtest du, dass das das Einzige ist, was andere über dich sagen?

  1. Warum entscheiden wir, dass es für die Figur nicht okay ist, so zu sein?

Das Wort Schlampe wird immer abwertend gebraucht. Eine Person oder Figur, die wir als Schlampe bezeichnen, hat damit unseren Respekt nicht verdient. Aber wieso? Weil wir das allgemeine Gesellschaftsbild einer „anständigen Frau“ schon so internalisiert haben, dass wir es gar nicht mehr hinterfragen (und das sollten wir, dringend)? Weil die Lebensweise oder Einstellung der Person so gar nicht teilen? Versteht mich nicht falsch, es gibt einen Unterschied dazwischen, zu sagen „Ich fand nicht gut, dass die Figur so aufreizend angezogen war.“ Oder „Ich hatte das Gefühl, dass der Autor sich nicht auf ihren Charakter, sondern nur ihr Aussehen konzentriert hat.“ oder oder oder. Ich bin mir ziemlich sicher, dass genau das damit ausgedrückt werden sollte. Aber jemandem den „Schlampenstempel“ aufzudrücken ist eine ganz andere Stufe. Es spricht weder das Verhalten der Person an, das man missbilligt, noch die mangelhafte oder verquere Darstellung durch den Autor. Auch nicht, dass es eine eigene persönliche Meinung ist, die auf eigenen Standards beruht. Sondern es wertet die ganze Figur an sich ab, mit allem Drum und Dran. Mit andere Worten: Ich kann zu jemandem sagen: „Ich fand dein Verhalten gerade unmöglich“ oder „Du bist unmöglich“ und das sind zwei völlig unterschiedliche Dinge.

  1. Slutshaming steht im direkten Zusammenhang mit Victimblaming

Meine lieben Mitleserinnen, seid ihr es nicht leid, dass euch immer eingeredet wird, dass alles, was ihr mit euch und eurem Körper tut, nur deswegen getan wird, weil ihr es für die Aufmerksamkeit durch Männer tut? Habt ihr nicht das Gefühl satt, das ihr habt, wenn ihr in eurem Partyoutfit abends nach Hause geht und allein seid? Dass ihr aufdringliche Kerle nicht loswerdet, weil sie davon ausgehen, dass ihr es doch darauf anlegt, angegraben zu werden, wenn ihr „so angezogen seid“ oder weil ihr „mit dem Kerl da hinten ja auch geflirtet“ habt? Dass ihr eure sexuellen Entscheidungen verteidigen müsst? Dass ihr die Menge eurer ehemaligen Geschlechtspartner herunterspielen müsst, egal ob ihr sie nun bereut oder nicht? Hat euch schon einmal jemand gesagt, dass ihr „so doch nicht rausgehen könnt“? Habt ihr im Sommer lieber geschwitzt als euch die Hotpants anzuziehen, aus Angst, was andere sagen würden? Wer von euch wurde nicht zumindest hinter vorgehaltener Hand schon einmal Schlampe genannt, wenn nicht sogar direkt ins Gesicht? Und habt ihr euch dann tatsächlich wie eine gefühlt? Herzlich Willkommen in einer Gesellschaft, in der es so normal geworden ist, das Wort Schlampe zu benutzen, um eine Frau zu beschreiben, dass es uns mittlerweile ohne Nachdenken herausrutscht. In einer Gesellschaft, in der vermittelt wird, dass wir mit unserem Körper und allem, was mir damit tun, Botschaften an Männer senden, die dann – Gott bewahre deren schwachen Willen – gar nicht anders können, als (Hier kann man wahllos „glotzen, pfeifen, grabschen“ und Schlimmeres einsetzen). Und das wollt ihr unterstützen?

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Protagonisten in Büchern, Filmen und Serien sind in unseren Köpfen und Herzen lebendig. Wir fiebern mit ihnen mit, wir hassen und lieben sie, sie sind abschreckende Beispiele oder Vorbilder, wir lernen an und mit ihnen. Nur, weil sie nicht echt sind, ist die Art, wie wir über sie reden, doch bezeichnend dafür, wie wir als Gesellschaft auch über „echte Menschen“ sprechen. Festgefahrenheit beginnt im Kleinen. Veränderung aber auch.

 Mehr zum Thema Slutshaming zum Einlesen gibt es hier: Slutshaming

 

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19 Gedanken zu “|Einfach mal erzählt| Warum es nicht okay ist, das Wort Schlampe in einer Rezension zu verwenden

  1. Ramona | El Tragalibros schreibt:

    Mir ist es bisher tatsächlich noch nicht aufgefallen, dass Hauptfiguren von Büchern, Filmen oder Serien in Rezensionen als Schlampen bezeichnet werden. Ganz bewusst benutze ich dieses Wort in meinem alltäglichen Leben nicht und so wäre es mir nie in den Sinn gekommen, es in einer Rezension zu verwenden.

    Es ist wirklich schlimm, dass es in unserer Gesellschaft ganz schnell passieren kann, dass Aussehen/Kleidung/Habitus von Frauen in diese Richtung gedeutet wird. Mich selbst erwische ich auch manchmal, dass ich bei sehr freizügig gekleideten Frauen denke: What? Nur um im darauffolgenden Moment zu denken: Egal, jeder sollte sich so kleiden, wie er/sie sich wohl fühlt. Aber dennoch ist es erschreckend, dass sich ein solcher Denkprozess über die Jahre hinweg eingenistet hat und – ja – gesellschaftskonform geworden ist. Wir sollten viel mehr über Dinge bewusster nachdenken, besonders über Dinge, „die halt so sind, wie sie sind“.

    Viele Grüße und danke für diesen Beitrag!
    Ramona

  2. Andrea schreibt:

    Applaus!!! Ich möchte immer bestärken, wenn jemand dazu die Stimme erhebt.
    Zum Glück ist es in meinem Bekanntenkreis nicht sehr verbreitet, aber gesellschaftlich wohl leider eben doch ein großes Thema.
    Und es nützt niemandem. Uns Frauen macht es klein, uns gegenseitig als „Schlampen“ zu beleidigen, und indem wir uns dann in unserer Sexualität gehemmt fühlen, können wir sie auch mit unseren Partnern nicht mehr so schön teilen.

    • umblaettern schreibt:

      Man umgibt sich ja meist auch eher mit Menschen, die die eigene Meinung teilen, und Freunde lassen sich da sicher auch leichter darauf hinweisen. Ich bin halt immer bemüht, meinen Schülern zumindest so viel zu vermitteln, dass es nicht okay ist, so über andere zu urteilen. Sie würden es von sich ja auch nicht wollen. Keine Ahnung, ob das so ankommt bei ihnen. Vor allem die Kleinen haben noch gar kein Verständnis für das, was sie da von sich geben, weil sie es aufschnappen und sind dann entsetzt, wenn man ihnen erklärt, was sie da gerade gesagt haben. Die Älteren sind dann manchmal schon richtig abgestumpft.

  3. BuecherFaehe schreibt:

    Ich schließe mich Andrea an – wirklich toller Beitrag, der alles genau auf einen Punkt bringt! Wir Frauen sollten aufhören, uns gegenseitig noch ein Bein zu stellen. Vieles, was wir Männern „erlauben“, kritisieren wir bei Frauen. Eigentlich total unverständlich.

    • umblaettern schreibt:

      Danke (: Ich kann diesen Doppelstandard auch nicht nachvollziehen. Vor allem aber frage ich mich immer, wieso es uns unter Frauen so leicht fällt, die anderen abzuurteilen – egal ob nach Kleidung, Aussehen oder Lebenstil. Nur Neid kanns ja nicht sein…

  4. Lara schreibt:

    Der Post ist wirklich gut, ich habe das noch nie mitbekommen, dass eine Figur in einer Rezension Schlampe genannt wird. Oder ich habe es einfach nicht beachtet, aber ich denke, dass dein Post sehr wichtig ist, irgendwie öffnet er mir gerade die Augen.

    Ich bin gerade auf deinen Blog gestoßen und dein Design ist ja wohl der Himmel!
    Ich bleibe als Leserin hier, liebst Lara.

    • umblaettern schreibt:

      Dankeschön (: Das freut mich total, liebe Lara!

      Wie ich bei Shiku schon geschrieben habe, momentan ist das gehäuft so bei Meinungen zur Shadowhunters-Serie im Zusammenhang mit Izzy. Aber auch bei anderen Geschichten fällt mir das auf. (Zum Beispiel einmal bei Looking for Alaska von John Green.)

  5. Shiku schreibt:

    Daaaaaanke! Mir sind zum Glück noch keine Rezensionen über den Weg gelaufen, in der Frauen als Schlampen bezeichnet wurden (oder es ist Jahre her und ich hab’s vergessen, weil es mir damals noch nicht so bewusst war), aber selbst bei dem Glück ist es ja ein Thema, das auch im Alltag beschäftigt. (Bzw. hatte ich mal eine Diskussion mit einer anderen Leserin, die meinte, es sei okay, dass der Protagonist Frauen schlecht behandelt, wenn sie „Schlampen“ seien. Ich kann nicht behaupten, dass ich überrascht warm aber … ich versteh’s einfach nicht. Gerade wenn erklärt wird, warum und wie das falsch ist.)

    • umblaettern schreibt:

      Mir ist das gehäuft aufgefallen, als ich Meinungen zu Shadowhunters gelesen habe. Da fällt das im Zusammenhang mit Izzy sehr sehr oft. Gerade sie halte ich tatsächlich für ein Beispiel, in dem ein vielschichtiger Charakter einfach darauf reduziert wird, dass sie sich gerne sexy anzieht und damit spielt. Dabei steckt hinter ihr noch so viel mehr, das damit einfach angefertigt wird.

      • Shiku schreibt:

        Oh, ja. Ich kenn jetzt nur die ersten zwei Bände und die TV-Serie, aber da gehört wirklich deutlich mehr zu ihrem Charakter, aber es überrascht mich auch nicht, dass das dann vollkommen übersehen wird. Ist auch sehr schade – wenn ich mich recht entsinne, sind es Bücher, in denen die weiblichen Charaktere für so etwas mal nicht dämonisiert werden, oder? Und dann übernehmen es andere.

        • umblaettern schreibt:

          Traurigerweise fährt sogar der Film City of Bones auf der „Izzy ist eine Schlampe“-Welle, indem die Charaktere das andeuten. Die Serie ist echt ein Goldschatz dagegen.
          Vielleicht lesen wir auch nur die richtigen Bücher :D (Oder es ist mir bisher einfach noch nicht so extrem aufgefallen….)

          • Shiku schreibt:

            Ich bin gerade sehr froh, dass ich den Film nie gesehen habe und auch nie sehen will. xD
            Wenn dir mal nach einer ordentlichen Ladung Slutshaming zumute ist, viele NA-Romanzen (YA ja oftmals auch?) sind da eine gute Anlaufstelle. xD Ich kann da „Beautiful Disaster“ „empfehlen“.

  6. umblaettern schreibt:

    Danke für eure Rückmeldungen. Ich muss ja zugeben, dass ich echt lange mit mir gehadert habe, ob ich den Beitrag veröffentliche, weil ich dachte, vielleicht übertreibe ich damit auch, aber es ist mir innerlich einfach dermaßen gegen den Strich gegangen. Dabei habe ich früher über solche Sachen gar nicht so viel nachgedacht. Ich denke, so geht es vielen anderen auch und es soll auch gar kein Vorwurf sein gegenüber den Menschen, die das geschrieben haben, sondern eher ein Denkanstoß. Ich hab neulich zu meinen Schülern gesagt, es gibt sicher noch Unmengen an blöden Dingen, die ICH sage und die andere verletzen oder beleidigen und es fällt MIR gar nicht auf. Dann ist es gut, wenn man mich darauf hinweist, damit ich darüber nachdenken kann. (Das fiel zwar im Gespräch über die „Schimpfwörter“ schwul und behindert, was ich auch echt schlimm finde, ist aber auf so vieles anwendbar.)

  7. Sabrina @ Bücher-lit schreibt:

    Ähnlich geht es mir mit dem Wort „bitch“, das für viele englischsprachige und auch immer mehr deutschsprachige Menschen ja mittlerweile zum normalen Sprachgebrauch zu gehören scheint. Ich zucke immer zusammen, wenn ich es lese oder höre, dabei ist es mir auch egal, ob es positiv oder negativ gemeint ist.
    Ich muss an die ursprüngliche Bedeutung des Wortes denken (Schlampe, Zicke, aber auch Hündin) und wundere mich, warum ich mich als Frau mit diesem Wort „schmücken“ sollte. Oder warum ich als Frau damit andere Frauen betiteln sollte.

    Worte haben Macht, das sollte man nicht vergessen.

  8. Miss Bookiverse schreibt:

    Amen! Ich bin sehr froh, dass du diesen Artikel veröffentlich hast und stehe voll und ganz hinter dir und dieser Meinung. Ich finde es schlimm, dass manche Worte so „verkommen“ und plötzlich total leichtfertig für alles und jeden benutzt werden, genauso wie dieser dämliche Trend plötzlich Sachen, die man blöd findet als „schwul“ zu bezeichnen. Das machen ja teilweise sogar Leute, die nicht mal ein Problem mit Homosexualität haben. Wieso denkt denn da keiner mal über den Zusammenhang nach? >.< Ist ja nicht so als wenn es in unserer Sprache nicht zigtausend andere Wörter, die man stattdessen benutzen könnte, gäbe.

  9. Stephie schreibt:

    Ein wirklich schöner Beitrag, dem ich eigentlich nur zustimmen kann, auch wenn bei mir teilweise schon der umgekehrte Fall eingetreten ist und ich manchmal sehr davon genervt bin, was alles als Slutshaming bezeichnet wird. Man sollte andere Frauen, egal aus welchem Grund, nie als Schlampen bezeichnen. Aber ich finde es zB völlig überzogen einen Autor zu bezichtigen Slutshaming zu betreiben, nur weil sein Protagonist bei einem Blick auf seine Angebetete in einem Kleid denkt, dass es ihm gefällt, dass sie nicht zu viel Haut zeigt und noch Spielraum für seine eigene Vorstellungskraft lässt. Es ist doch schlicht Realität, dass es Männer gibt, die freizügige Frauen mögen, aber eben auch solche, die es bevorzugen, wenn nicht alles zu sehen ist und das finde ich auch vollkommen in Ordnung. Mir ist eine lebensnahe Geschichte lieber als wenn nun alle Autoren krampfhaft übervorsichtig wären. Ich hoffe, ich habe mich halbwegs verständlich ausgedrückt^^‘

    Wirklich geschockt war ich aber als ich vor wenigen Tagen ‚Mädelsabend‘ mit Elizabeth Banks geschaut habe. Sie wird von ALLEN Leuten für eine Nutte gehalten, nur weil sie ein sehr enges Kleid trägt, das in meinen Augen noch gar nicht mal sooo extrem freizügig ist. Es zeigt viel Bein, das ja, aber oben ist nicht extrem weit ausgeschnitten und überhaupt, warum muss man in so einem Kleid gleich eine Nutte sein? Sie wird sogar mit Pfefferspray aus einem Bus gejagt! Natürlich soll der Film das alles überspitzt darstellen, aber das fand ich wirklich sehr bedenklich und habe mich gefragt, ob gerade die Polizisten einen in Wirklichkeit auch für eine Prostituierte halten würden, die man verscheuchen muss, statt einem zu helfen oder sich auch nur anzuhören, was man zu sagen hat.

    • umblaettern schreibt:

      Ich denke schon, dass das in vielen Köpfen (und im Ernstfall auch in vielen Handlungen) feststeckt, dass „sexy angezogen = Nutte“ bedeutet. Allein wie oft man hören muss, dass es jemand ja „herausgefordert“ hätte, nur weil er angezogen war, wie er angezogen war. Oder dass „nuttig“ ein überall viel verwendetes Adjektiv im Sprachgebrauch ist, um Kleidung zu beschreiben. Dass jemand, der wegen einer Vergewaltigung zur Polizei geht, sich auch noch der Frage stellen muss, ob er es durch Handlung oder Kleidung herausgefordert hätte. Deswegen denke ich auch, dass jede Form von Medium sich genau überlegen sollte, welche Wortwahl es betreibt. Mädelsabend habe ich noch gar nicht gesehen, würde mich jetzt aber mal interessieren. Sollte ich nachholen.

      Welcher Autor war das denn?

      • Stephie schreibt:

        Ich bin nicht 100%ig sicher, aber ich glaube es ging um ‚Das Schicksal ist ein mieser Verräter‘ von John Green und die Szene, in der Gus Hazel in Amsterdam in diesem Kleid sieht. Und er denkt halt, dass sie wunderschön ist und findet es gut, dass sie nicht zu viel Haut zeigt. Das heißt für mich aber noch lange nicht, dass mehr Haut für ihn gleichbedeutend mit nuttig wäre. Daher finde ich es übertrieben hier schon von Slutshaming zu sprechen. Abgesehen davon, dass man ja nicht jeden Charakter 100% politisch korrekt schreiben kann, das wäre ja unrealistisch. Die Frage ist für mich, wie der Autor damit umgeht. Bei ‚Easy‘ zum Beispiel gibt es ja auch diese Vorwürfe von dem Vergewaltiger, dass die Mädchen das ja wollen würden. Aber die Mehrheit der Charaktere sieht das nicht so und es wird betont, wie falsch diese Ansicht ist. Wobei das ein sehr krasses Beispiel ist.

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