Einfach mal erzählt

|Einfach mal erzählt| Warum ich als Erwachsene immer noch Young Adult-Bücher lese!

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Vor Kurzem war ich mit alten Bekannten unterwegs, darunter eine Freundin, die mit mir Germanistik studiert hatte. Als sie erwähnte, dass sie durch mich von der Panemreihe erfahren hatte und immer noch so begeistert davon war, war ich erstaunt. Aber wieso eigentlich?

Tatsächlich dachte ich immer, ich würde in meiner kleinen Buchbloggerblase leben, in der wir alle ohne darüber auch nur die Nase zu rümpfen Young Adult-Bücher lesen und toll finden und das keiner seltsam findet – es aber ein solches Guilty Pleasure ist, dass wir einen Teufel tun würden, um das vor anderen zuzugeben. Ich bin ja nun doch Ü30 – sollte ich nicht langsam erwachsen werden?

Ich habe es ja tatsächlich versucht – ich wollte wirklich etwas anderes lesen. Und manchmal hat es geklappt und statt des neuesten Buches für junge Erwachsene landete da ein Buch nur für Erwachsene im Einkaufskorb. Tatsächlich kam ich mir dann aber meistens irgendwie verloren vor mit den Protagonisten. Die hatten Teenagerkinder, Scheidungen und Midlifekrisen ohne Ende. Sie waren wie nette ältere Kollegen, mit denen man gerne zu Mittag isst und sich oberflächlich unterhält, aber mit deren Leben man sich gar nicht verbinden konnte, auch wenn man sie doch gern hat. Nun bin ich ja aber auch keine 17 mehr – aber ich war das mal. Ich habe alles das durch und auch wenn die Pubertät für mich eher Horror als Spaß war, gab es doch so viele Gefühle und erste Male, an die ich gerne zurückdenke. Das erste Mal so richtig verliebt zu sein, das Gefühl, seinen Abschluss gemacht zu haben, Freundschaften, die wie aus dem Nichts entstehen und trotzdem tief gehen, sogar der erste Liebeskummer – mit den Protagonisten in YA-Büchern erlebe ich das immer wieder aufs Neue mit.

Nun lebe ich als Lehrerin auch nicht das aufregende Jetsetleben. Um ehrlich zu sein – die meiste Zeit ist mein Leben echt öde. Arbeit hier und Arbeit da, Konferenz, Unterrichtsvorbereitung, dazwischen mal eine Stunde im Fitnesstudio. Rechnungen zahlen, alle paar Monate mal ins Kino, totmüde am Sofa herumlümmeln und manchmal nicht mal die Zeit finden, um richtig aufzuräumen. Schnarch. Ich würde dennoch nicht tauschen wollen, aber in die völlig andere Lebenswelt dieses Genre einzutauchen fühlt sich immer ein wenig an wie Erlebnisurlaub oder ein Blick in eine Alternativwelt – was wäre noch möglich gewesen?

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Dabei ist es nicht so, dass Young Adult gleich oberflächliche locker-flockige Unterhaltung bedeutet. Viele Autoren schaffen es, gut recherchierte und tiefgehende Bücher zu schreiben, die den Leser noch lange verfolgen. Neben dem Paradebeispiel Maggie Stiefvater, die das vor allem mit dem Raven Cycle sehr deutlich gemacht hat, gibt es da noch Autoren wie Robin Wasserman, Katrin Zipse, Sarah Crossan und viele andere. Sie widmen sich nicht nur schockierenden, tiefgreifenden oder philosophischen Themen, sondern tun das auch noch in wunderbarer Sprache und kümmern sich um Vielfalt in der Buchlandschaft, was ethnische Herkunft, sexuelle Orientierung und psychische sowie physische Krankheiten geht.

Und überhaupt – wieso sollte ich mich dafür schämen, was ich gerne lese? Ich schade damit ja niemandem und mir schon lange nicht. Vielleicht verpasse ich so viele tolle Gespräche, nur weil ich davon ausgehe, dass ich eine Ausnahme von der Regel bin? Wie geht ihr denn damit außerhalb der Bloggerwelt um?

Zum Thema Kinderbuch hat sich übrigens Herr Booknerd erst geäußert und wer eigentlich die angepeilten Leser für YA sind, fragt sich auch Paper Fury.

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13 Kommentare zu „|Einfach mal erzählt| Warum ich als Erwachsene immer noch Young Adult-Bücher lese!

  1. Haha, dein Post hat mir sehr gut gefallen. Da ich gerade 17 bin kann ich wohl mich noch sehr gut mit den Young Adult – Protagonisten, aber auch mit Jugendbuchprotagonisten, identifizieren, weswegen ich mich für gar nichts schämen muss. Aber du musst dich auch für nichts schämen, wenn das Buch gut ist, kannst du es doch noch auch noch lesen, wenn du 50 bist :)
    Und wenn dich Handlungen von „Büchern für Erwachsene“ nicht interessieren, dann ist das eben so und das kann dir auch keiner vorwerfen :)

    Liebst, Lara.

  2. Jugenbücher gefallen mir, weil ich mich da besser in die Protagonisten hinein versetzen kann als in Erwachsene. Ich weiß wie es ist jung, naiv und unerfahren zu sein. Aber nicht wie es ist ein Kind groß zu ziehen, sich scheiden zu lassen oder erfolgreich Karriere zu machen. Jugendbücher sind noch so herrlich verträumt. :)

  3. Ich bin Ü40 und gehe mit dem Thema sehr entspannt um :-) Ich muss allerdings gestehen, dass ich alles lese, also auch Krimi, Thriller, ChickLit etc..
    Letztens habe ich mich witziger Weise selbst gefragt, ob ich komplett auf diese Genre umsteigen sollte. Kurz und knapp: „Nö, warum auch?“ Erlaubt ist was gefällt!
    Zum Umgang mit anderen Lesern: Ich sag ja auch nicht „Ihhh, du liest Horror?“, also warum sollte mich jemand komisch anschauen, weil ich Jugendbücher oder YA lese? Einzig und alleine beim Thema Erotik sind einige peinlich berührt. Wenn ich das dann aber hinterfrage, erklären manche recht kleinlaut, dass sie Shades of Grey gelesen haben… Ich find´s lustig :D

  4. Ich habe mir, ehrlich gesagt, noch nie großartig Gedanken darum gemacht und gebe stets offen und ehrlich zu, was ich gern lese. Letztes Semester habe ich an der Uni zB Ascheherz von Nina Blazon vorgestellt statt so zu als würde ich irgendeine hochtrabende Literatur lesen, die kein Mensch versteht. Und was andere darüber denken, war mir total egal. Ich stehe zu dem, was ich gern lese und ich sehe auch keinen Grund, warum ich mich – oder überhaupt irgendjemand – dafür schämen sollte. Das sind tolle Bücher, verdammt noch mal! Und wer so ignorant ist zu glauben, dass das bei Jugendbüchern nicht der Fall sein kann, der tangiert mich peripher!

  5. Letztendlich zeigt YA/Jugendliteratur ja auch nicht zwangsläufig an, für wen die Bücher (ausschließlich) bestimmt sind, sondern in welchem Alter sich die Charaktere so befinden – gibt ja auch genügend jüngere Leser*innen, die auch „schon“ „Erwachsenenbücher“ lesen und mögen, warum sollen wir es da nicht auch anderherum machen? :D
    Ich muss auch zugeben, dass mich da die meisten Sachen null interessieren. Ab und an stöbere ich dann doch mal in anderen Regalen und hier und da wandert da auch mal was in mein Regal, aber die meiste Zeit macht sich bei mir da gähnende Langeweile breit. Allerdings bin ich mit 24 auch noch nicht sooo weit vom YA-Alter weg … das Einzige, was sich altersbedingt bei mir geändert hat, sind potentielle Schwärmereien für Charaktere. Die gibt’s nicht mehr, und das nicht nur, weil ich das alterstechnisch ein bisschen fragwürdig fände. xD (Was nicht heißt, dass ich Charaktere klasse finde oder bewundere etc.)

    Ausgerechnet ein Familienmitlgied macht sich da manchmal drüber lustig. (Für sie ist das alles „wie Harry Potter“, als wäre HP eine anspruchslose Serie.) Kann das aber recht gut ignorieren, weil diese Meinung in dem Fall wirklich reine Ignoranz ist.

  6. Huhu! :)

    Ein toller Post! Denn ähnlich ging es mir auch schon….ich bin zwar erst Ü20, aber über mein Lesehobbie zu reden ist schon ziemlich schwierig (vom Bloggen ganz zu schweigen). Da gäbe es einerseits die Gesprächspartner, die so gar nicht nachempfinden können wieso lesen tatsächlich spannend oder ein Hobbie sein soll, und dann gibt’s da noch die super Intelligenten, die dich nur belächeln, wenn du Unterhaltungsliteratur liest. Jugendbücher, Fantasy und Romanzen?? Geht gar nicht -> Ich finde schon! Denn Lesen tue ich doch vor allem um dem Alltag zu entfliehen. Trotzdem erwähne ich das alles nur mit Vorsicht.^^ Schade eigentlich, denn da könnte mir doch wirklich ein tolles Gesprächsthema und vor allem ein toller Gesprächspartner entgehen!! Ein Glück habe ich wenigstens meine Mum (und natürlich die Bloggerwelt), die mit Ü50 auch noch meine Jugendliteratur liest und mit der ich mich gerne austausche. :D

    Ein schönes, lesereiches Wochenende wünsch ich dir!

    Liebste Grüße
    Nina ♥♥♥

  7. Dass YA ein breites Spektrum an Themen auf zugängliche Art und Weise präsentiert, brauch ich dir ja nicht mehr erklären. Allerdings finde ich, dass du am Rande noch einen ganz anderen Punkt ansprichst: Erwachsenenliteratur ist oft „Scheidung, Midlifecrisis und Teenager-Kinder“. Genau das Problem hab ich auch oft. Ich finde es gibt einfach viel zu wenig dazwischen. Aus vielen YA-Büchern bin ich inzwischen rausgewachsen, da interessieren mich das erste Herzklopfen und der Streit mit den Eltern einfach nicht mehr so sehr, aber ich fühle mich auch noch lange nicht alt genug für diese Midlife-Crisis-Romane, dazwischen sieht es total flau aus, dabei ist es doch nicht so als wenn Menschen, in dem Alter nicht lesen würden. Ich versteh nicht, wo all die Bücher sind, in denen es ums Studieren, um den Studienabschluss, um (erste) Jobs, und sich verändernde Beziehungen geht. Ist ja nicht so als wenn das keine aufregende Zeit wäre. Klar, eine handvoll Bücher fallen mir hier schon ein, aber ich wünschte die Auswahl wäre wesentlich größer.

  8. Ein sehr schöner Post und ein interessantes Thema!

    Ich habe als Jugendliche Erwachsenenbücher gelesen und habe ab ca. 30 YA für mich entdeckt. Ich habe das Gefühl, dass sich die Autoren im YA-Bereich mehr „trauen“. Es muss nicht immer alles nach Schema F und seriös durchgespielt sein, sondern die Handlung selbst ist manchmal etwas fantasievoller, was auch für die Charaktere gilt. Oft denke ich auch, dass man die meisten YA-Protas fast immer durch Erwachsene austauschen könnte, es ist daher – meiner Meinung nach – egal.

    Und ja, als ich mit diesen Büchern begonnen habe, hatte ich wirklich ein seltsames Gefühl. :D

    Ansonsten lese ich mich quer durch alle Genres, empfinde YA aber als wunderbare Bereicherung.

  9. Guten Morgen!

    Über deinen Beitrag bin ich gerade bei Fluchtpunkt Lesen und Yvonnes Lesewelt gestolpert, sie haben dich beide in der Stöberrunde verlinkt ;)

    Eine interessante Meinung … wobei ich sagen muss, dass ich momentan wieder etwas mehr Abstand zum Jugendbuch suche. Ich selbst bin 41 – also dir gegenüber dann ja schon alt *lach*, aber ich lese auch gerne in dem Bereich. Allerdings fällt mir schon auf, dass eben doch oft Bücher auf einem sehr seichten, „nur“ unterhaltsamen Niveau geschrieben werden, was ich echt schade finde. Und ich mir dann denke: glauben die, dass Jugendliche gar keinen Verstand haben???
    Aber „seichte“ Lektüre gibt es ja genauso gut im Erwachsenenbereich und schließlich soll ja jeder Geschmack abgedeckt werden – jeder so wie er mag.

    Natürlich hab ich auch schon anspruchsvolle Jugendbücher gelesen und die sind wirklich klasse! Aber ich hab auch als Jugendliche Erwachsenenbücher gelesen und hatte dabei nie den Eindruck, dass ich mich nicht reinversetzen konnte oder die Handlung nicht meinem Alter entsprach oder ähnliches. Es kommt immer drauf an, wie die Umsetzung ist und ob der eigene Geschmack getroffen wird. Das ist, denke ich, wirklich sehr individuell ;)

    Liebste Grüße, Aleshanee

  10. Huhu,

    ich find es auch nicht schlimm als Erwachsene noch Jugendliteratur zu lesen. Die Erwachsene ist mir oft zu spießig und langweilig. Jugendliteratur ist lockerer. Auch wenn es langsam nur noch steretypisch zugeht was schon nervt.

    Nun sind es bei mir andere Romane als die die dich faszinieren. Maggie Stiefvater schon, aber nicht gerade Ravenboys und eher sowas wie Selection usw. Aber sonst kann ich das total verstehen was du sagst.

    Erwachseneromane schaffen es kaum mich zu fesseln. Irgendwie immer die ewig gleichen langweiligen Geschichten. Die meisten sortiere ich gleich schon beim Lesen vom Klappentext aus, weil es sich ewig alles wiederholt und immer das selbe ist.

    Mag mir langsam bei Jugendbüchern ähnlich gehen, aber die sind mir immer noch lieber als Erwachsenebücher.

    LG Corly

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