Rezensionen · Thriller

|Rezension| Fiona Barton „Die Witwe“

witwe

Wunderlich * 21.05.2016 * OT: The Widow * ISBN 978-3-8052-5097-9

TB 16,99 €  * eBook 14,99 * Leseprobe * Autorin

Klappentext Die Frau.
Jean Taylor führt ein ganz normales Leben in einer englischen Kleinstadt: Sie hat ein hübsches Haus und einen netten Ehemann. Glen und sie führen eine gute Ehe.

Der Mann.
Dann kommt der Tag, der alles ändert: Sie nennen Glen jetzt das Monster. Er soll etwas Unsagbares getan haben. Und Jeans heile Welt zerbricht.

Die Witwe.
Jetzt liegt Glen auf dem Friedhof, und Jean ist frei. Frei, das Spiel endlich nach eigenen Regeln zu spielen …
Jean Taylor wird uns sagen, was sie weiß.

Meinung

Ich bin ja bekanntlich nicht der absolute Thrillerfan und hätte man die Leseprobe zu Die Witwe nicht im Flugzeug auf unserem Heimflug von Griechenland ausgeteilt und hätte ich nicht alle meine Bücher schon fertig gelesen – ich hätte dem Buch wohl keinen zweiten Blick gewidmet.

Der Beginn macht auch richtig neugierig – eine Ehefrau, die nicht um ihren Mann trauert? Da muss doch etwas im Busch sein. Das ist auch so, aber was da genau los ist, das erfährt man erst in quälender Langsamkeit. Parallel verfolgt man, wie Jean immer wieder von der Journalistin Kate über ihre Zeit mit Glen befragt wird, was wiederum einen Blick auf ihre gemeinsame Vergangenheit gibt, und wie Bob Sparkes – ebenfalls mit Unterstützung durch Kate – nach der verschwundenen zweijährigen Bella sucht. So springt man tatsächlich durch drei verschiedene Zeitebenen, die sich einander immer weiter annähern. Das gibt aber auch die Möglichkeit, sich seine eigenen Schlüsse darüber zu ziehen, ob Glen nun schuldig ist oder nicht. Natürlich werden auch andere mögliche Täter ins Spiel gebracht, aber genauso schnell wieder fallen gelassen.

Dabei wird auch mit Klischees gespielt – die unterwürfige Ehefrau, die sich blind und hilflos stellt, die skrupellose Journalistin, die vorne herum nett tut und sich hinter dem Rücken der Menschen die Hände reibt ob der tollen Story, die sie ausgegraben hat, der hingebungsvolle Polizist. Sie sind alle vorhanden. Und leider schafft es das Buch auch nicht, diese Klischees aufzubrechen. Auch die Darstellung der Kinderpornoszene fand ich viel zu oberflächlich.

Ganz ausgereift fand ich den Plot auch nicht. Immer wieder manövrieren sich die Ermittler in Sackgassen, die nur dadurch aufgelöst werden, weil jemand plötzlich feststellt, dass er etwas vergessen hat oder zugibt, dass er mit Absicht etwas verschwiegen hat. Die ganze Ermittlung scheint eigentlich nur eine Anhäufung von Glück zu sein. Tatsächlich hatte ich mir doch etwas anderes erwartet, weniger durchschaubar vielleicht. Denn das Ende hat mich tatsächlich noch einmal richtig geärgert (Spoiler!): Zu Beginn dachte ich mir schon, dass der Tod des Ehemanns kein Zufall war. Dass Jean aber wusste, was mit Bella passiert ist, fand ich schrecklich. Ich hatte mir erwartet, einen Einblick zu bekommen in die Gedanken einer Frau, die in der Ungewissheit lebt, ob ihr Ehemann die Tat begangen hat. Um diese Erwartung wurde ich irgendwie betrogen und halte es auch für keine besonders schwere Darstellung einer Person, die ja insgeheim schon Bescheid weiß.Davon abgesehen macht vieles Verhalten von Jean so im Nachhinein gar keinen Sinn.

Fazit

Insgesamt bin ich von diesem Buch wirklich enttäuscht – es hätte eine echt interessante Studie einer Frau sein können, die ihrem Mann nicht mehr vertrauen kann und hinter sein Geheimnis blicken möchte. Am Ende waren es jedoch nur aneinander gereihte Klischees und flache Figuren in einer quälend langsamen Ermittlung.



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