Belletristik · Jugendbuch · Rezensionen

|Rezension| Anne Freytag „Mein bester letzter Sommer“

letztersommer

heyne>fliegt  * 08.03.2016 * ISBN 978-3-453-27012-1

HC 14,99 €  * eBook 11,99 * Leseprobe * Autorin

KlappentextTessa hat immer gewartet – auf den perfekten Moment, den perfekten Jungen, den perfekten Kuss. Weil sie dachte, dass sie noch Zeit hat. Doch dann erfährt das 17-jährige Mädchen, dass es bald sterben muss. Tessa ist fassungslos, wütend, verzweifelt – bis sie Oskar trifft. Einen Jungen, der hinter ihre Fassade zu blicken vermag, der keine Angst vor ihrem Geheimnis hat, der ihr immer zur Seite steht. Er überrascht sie mit einem großartigen Plan. Und schafft es so, Tessa einen perfekten Sommer zu schenken. Einen Sommer, in dem Zeit keine Rolle spielt und Gefühle alles sind …

Meinung

Mittlerweile habe ich ja schon einige Bücher gelesen, die nach dem Prinzip funktionieren, dass ein junger Mensch an der Schwelle des Todes noch einmal etwas ganz Wunderbares erlebt. Manche davon waren toll. Manche haben mir das Herz gebrochen. Und manche hinterlassen eher das Gefühl bei mir: Äh, ja, das wars schon? Entgegen des großen Hypes und der Lobeshymnen, die überall geschwungen werden, zählte Mein bester letzter Sommer für mich leider zu genau dieser Kategorie.

Irgendwie kann man ja fast gar nicht anders, als sich an Schema F halten. Man braucht also diesen jungen Menschen – Tessa –, der an einer tödlichen Krankheit leidet – Herzfehler –, der möglichst sein ganzes junges Leben damit verschwendet hat, gegen ebenjene Krankheit zu kämpfen und den Kampf aber ziemlich sicher verliert. Dann braucht man den zweifellos umwerfenden Love Interest – Oskar-, den man erst einmal weit von sich wegschieben muss, weil ja bald tot und ganz schlimm und gebrochenes Herz und so, um sich ihm dann doch zu ergeben, weil Carpe Diem. Wäre es nur das gewesen, dann wäre das nicht so schlimm. So funktioniert das einfach mit diesen Büchern. Und es hat auch funktioniert, denn geheult hab ich am Ende ja trotzdem.

Was mich tatsächlich mehr gestört hat, war, dass ich mir von dem Roadtrip, den Tessa und Oskar machen, wesentlich mehr erwartet hätte. Ich hatte das permanente Gefühl, es ginge eigentlich nur darum, dass die beiden Knutschen,  Kuscheln und irgendwann auch Sex miteinander haben. Dabei machen sie ganz tolle Dinge zusammen in Italien – ich würde mich zum Beispiel auch gerne mit dem Einkaufswagen durch eine romantische italienische Innenstadt kutschieren lassen. Davon wollte ich mehr lesen! Ich wollte lesen, wie die beiden die Städte genießen, wie sie beschreiben, was sie sehen, wie sie mehr abklappern als nur Eisdielen und Pizzerien. Leider blieb bei mir das schale Gefühl zurück, dass sie das alles, was sie getan haben, auch in Deutschland hätten haben können, denn ihre Reiseroute wirkte eher so, als müssten diese Orte halt mal erwähnt werden.

Auch viel Konflikt- und Aufarbeitungspotenzial wurde für mich nicht richtig genutzt. Nachdem Tessa und ihre Mutter ewig um das Thema der Lüge herumschleichen, um sich dann so richtig darüber zu fetzen und es dann zu klären, bleibt der Rest irgendwie auf der Strecke. Wie geht Tessa damit um, dass ihr Vater sich lieber um seinen Job als um sie gekümmert hat? Was macht sie aus dem, was sie über ihre Schwester erfährt? Und wie geht es Oskar, der drauf und dran ist, schon wieder jemanden in seinem kurzen Leben an den Tod zu verlieren? Dagegen fand ich Probleme wie „Findet Oskar meine Narbe nicht sexy?“ dann doch eher unwichtig, obwohl sie so einen prominenten Platz in Tessas Kopf einnehmen.

Natürlich gab es auch die tollen Seiten an diesem Buch, der Hype ist ja nicht komplett unbegründet. Davon abgesehen, dass Tessa und Oskar als Paar zusammen natürlich unheimlich zuckrig süß sind, gab es die Momente, die einem bildlich vor Augen standen – das waren meistens auch die intensivsten zwischen ihnen. Wie sie gemeinsam auf dem Autodach in den Himmel blicken. Tessa im Scheinwerferlicht des Autos. Vielleicht lag das auch daran, dass sie gedanklich mit Musik unterlegt waren und ich so ein Musikjunkie bin, der Lieder mit Büchern verbindet. Der Musikgeschmack war einfach einwandfrei! Auch muss man einfach die wunderschöne Gestaltung des Buchs hervorheben – innen und außen ist es ein echter Hinkucker!

Fazit

Ich kann mich dem Hype leider nicht anschließen – Mein bester letzter Sommer ist eine schöne Liebesgeschichte, unterlegt mit passender Musik und gespickt mit wunderbaren Momenten, von denen es aber leider viel zu wenige gibt.

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4 Kommentare zu „|Rezension| Anne Freytag „Mein bester letzter Sommer“

  1. Ich finde es auch immer schrecklich, wenn ein Buch nur nach Schema F funktioniert. Das heißt nämlich auch, dass der Stil zwar gut sein kann, aber eben nicht außergewöhnlich, dass die Charaktere zwar glaubhaft sein können, aber nichts eigenes haben. Immer wieder schade.

    1. Ich glaube, das ist ein Themenbereich, bei dem es sehr sehr schwer ist, jemanden zu überraschen. Ich fand damals zum Beispiel, dass John Green das in TFIOS ganz gut gemacht hat, aber im Prinzip ist der Verlauf doch immer derselbe. Natürlich ist das ja auch genau das, was man will, wenn man solche Bücher kauft – eben diese tragische Geschichte. Aber gerade denn kommt es auf die Umsetzung an, finde ich. Für mich war das hier die Reise nach Italien. Ich dachte einfach, sie erleben mehr miteinander, sehen mehr von den Städten, Sehenswürdigkeiten, Aussichten, begegnen mehr Menschen.

  2. Eine tolle Rezension, das Buch stand auch auf meiner Wunschliste! Doch so nach deiner Rezi muss ich sagen; wahrscheinlich habe ich schon zu viele solcher Bücher gelesen… Schade konnte es nicht so überzeugen!
    Wünsche dir aber auf jeden Fall ein super schönes Wochenende!

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