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|Rezension| Mario Fesler „Lizzy Carbon und der Club der Verlierer“

lizzy

Magellan * 25.07.2016  * ISBN 978-3-7348-5025-7

HC 14,95 €  * Leseprobe

Klappentext

Das Leben macht es der dreizehnjährigen Lizzy nicht leicht: ein Körper, der tut, was er will, Eltern, die nichts kapieren, und Klassenkameraden, die abfällig auf sie und ihre beste Freundin Kristine herabgucken. Da macht das anstehende Schulfest die Laune nicht besser – denn da darf sie garantiert eh wieder nur die Gläser spülen. Als sie diesen Gedanken im falschen Moment laut ausspricht, hat sie plötzlich ihre eigene Projektgruppe mit allen Außenseitern der Unterstufe am Hacken. Doch schon bald stellt sie fest: Wenn so ein „Klub der Verlierer“ erst mal in Fahrt kommt, ist die Niederlage nicht so vorprogrammiert, wie alle denken …

Meinung

Meine Schulzeit, vor allem in der Unterstufe, war für mich eher ein Spießrutenlauf als ein schönes Erlebnis. Gerade deswegen erweckte Lizzy Carbon und der Club der Verlierer meine Aufmerksamkeit. Denn Mario Fesler nähert sich dem Thema Mobbing und Außenseiterdasein gleichzeitig mit Humor und schonungsloser Ehrlichkeit und hat mich damit vom Fleck weg begeistert.

Vielleicht lag das daran, dass ich mich in Lizzy gesehen habe – mein frustriertes, vergrämtes, mit den richtigen Leuten sogar schlagfertiges Ich in der siebten Klasse war ihr nicht unähnlich, nur dass mir der Funken Mut gefehlt hat, das zu meiner Schulzeit auch laut auszusprechen. Denn das Gefühl, sich dieses geheuchelte Zusammenhaltgefühl von außen ansehen zu müssen, weil „zusammen“ eben nicht alle einschloss, war mir sehr bekannt. Sicher sehen sich auch andere in Lizzy oder einem ihrer Mitstreiter. In Kristina vielleicht, die diejenigen auch noch bewundert, die so grausam zu ihr sind und sich eigentlich nichts mehr wünscht als dazuzugehören. Oder in Sara, deren Religion sie zum Außenseiter macht. In Carsten, der nicht erwachsen genug ist für die anderen Siebtklässler. Oder in Veronika, die zu dick ist. In Arif, der einen besseren Draht zu Mädchen als Jungs hat. Oder in Theo, der klein und leise ist. Man erfährt von allen, dass hinter dem ersten Blick, den man von ihnen erhascht, noch große Geschichten stecken oder eben auch nicht. Und man merkt, dass selbst Lizzy manchmal nicht umhin kann, als sie abzuurteilen, die bösen Spitznamen der anderen zu übernehmen und an sich arbeiten muss, um dieses Verhalten abzulegen. Niemand von ihnen wird als Heiliger beschrieben, als armes Opfer der Umstände – manchmal nerven sie, sind unleidlich, rücken nur schwer von dem Bild ab, das an von ihnen auf den ersten Blick bekommt. Sie sind einfach sehr reale, wenig idealisierte Figuren und zeigen, dass man immer dazulernen und seine Vorurteile und internalisierten Gedanken ablegen kann.

Nun ist das Buch natürlich keine permanente Pity Party – es besteht aus viel Sarkasmus, Situationskomik, einem Wechsel zwischen Hochs und Tiefs der kleinen Projektgruppe, die sich da mehr unfreiwillig gefunden und lieben gelernt hat. Gepaart mit dem Wechsel aus Erzählung und Tagebucheinträgen – die später noch zu einer großen Überraschung führen – und einer wunderbar unaufgesetzten jugendlichen Sprache fliegt man fast durch das das Buch. Das Ende ist noch einmal gleichzeitig ein ganz schöner Schlag in den Magen und total beeindruckend.

Spoiler: Ich fand es sehr mutig, Kristine aus der Nerdgruppe zu nehmen und zum „Feind“ überwechseln zu lassen. Das sind Situationen, die ich mehr als einmal erlebt habe. Manchmal ist der Wunsch dazuzugehören und der Leidensdruck des Außenseiterdaseins größer als jede Loyalität, die man für seine alten Freunde haben kann. Tatsächlich hoffe ich auf einen weiteren Band, um diese Geschichte weiter beobachten zu können.

Auch das, was die Kinder aus ihrem eigentlichen Dunkelrestaurant gemacht haben, fand ich beeindruckend. Ich will gar nicht zu viel verraten, aber ich habe schwer geschluckt.

Fazit

Lizzy Carbon ist ein beeindruckendes Buch, das gleichzeitig durch seinen Sarkasmus besticht und dem Leser dennoch den einen oder anderen wachmachenden Hammer um die Ohren schlägt.

diversity inside

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4 Kommentare zu „|Rezension| Mario Fesler „Lizzy Carbon und der Club der Verlierer“

  1. Hallöchen du Liebe!
    Danke schön für diese wundervolle Rezension. Vor kurzem wurde ich ja bereits auf Twitter quasi mit der Nase darauf gestoßen und ich war ganz artig und habe es direkt auf meine Wunschliste wandern lassen. Nur gekauft und gelesen habe ich es noch nicht. Aber wie ich nun lese, muss ich das ganz dringend ganz schnell ändern. Irgendwie glaube ich, dass diese Lektüre genau richtig für meinen uncoolen inneren Teenager ist.

    Ich lass dir ganz liebe Grüße da und wünsche dir noch einen wunderschönen Restsonntag
    Maike

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