|Rezension| Martha Brockenbrough „Das Spiel von Liebe und Tod“

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Loewe  * 25.07.2016  * OT: The Game of Love and Death * ISBN 978-3-7855-8262-6

HC 18,95 €  * eBook 9,99 € * Leseprobe * Autorin

Klappentext

Immer wieder steht Henry vor der Tür des Jazzclubs, in dem Flora allabendlich singt. Er ist hingerissen von der schönen jungen Frau, ihrer Stimme und ihrer Musik. Flora dagegen versucht lange, sich gegen ihre Gefühle zu wehren. Ihre Haut ist schwarz und eine Beziehung mit einem weißen jungen Mann ist im Seattle des Jahres 1937 völlig ausgeschlossen.

Was Flora und Henry nicht wissen: Sie sind nur Figuren in einem uralten Spiel, in dem die Liebe selbst und ihr alter Widersacher Tod menschliche Gestalt angenommen haben. Und beide nutzen all ihre manipulativen Fähigkeiten, um zu gewinnen.

Meinung

Das Spiel von Liebe und Tod hat mich etwas zwiespältig zurückgelassen. Ich saß echt ewig über diesem Buch. Wirklich. Eeeeeheeeheeewig. Erst einmal wusste ich gar nicht, warum ich nicht mehr als 20 Seiten am Stück lesen konnte, aber tatsächlich war eines daran schuld: der Schreibstil. Ich liebe ja blumig geschriebene Geschichten, die sich dann auch gerne ins Detail verlieren dürfen. Tödlich dafür ist es aber, wenn blumig eher angestrengt wird. Hier wirkte es so, als hätte die Autorin sich schöne Sätze im Kopf zusammengesammelt und sie dann unbedingt auf Biegen und Brechen in die Geschichte einbringen wollen.

Auch hatte ich so meine Probleme mit Liebe und Tod (Ha, die Ironie, wo sie doch die namensgebenden Figuren sind). Tod ist sehr unsympathisch, schließlich bringt sie Menschen um und davon nicht wenige. Das ist aber auch eine logische Konsequenz ihrer Existenz und niemand mag den Tod wirklich, oder? Immerhin fand ich sie wesentlich greifbarer ausgearbeitet als Liebe, der irgendwie ein verzweifelter Jammersack ist – Liebe ist so etwas Tolles, aber lieber heult er ständig herum, redet sich klein und tritt in Tods Fußstapfen. Liebe hat genervt.

Das zeitliche Setting fand ich persönlich mal eine Abwechslung, Ende der Dreißiger Jahre in Amerika, in Europa tobt der Krieg, in Amerika die Rassentrennung. Tatsächlich liegt es da nahe, in einem Buch, das um tragische Liebe gehen soll, sich den Problemen zu widmen, die Liebende zu dieser Zeit hatten: Homosexualität und Rassenvermischung ist verpönt, Verbindungen werden immer noch oft aufgrund ihrer Praktikabilität geschlossen.

Nun hat man nicht nur mit Henry und Flora ein Paar, dessen Liebe allein deswegen schon unmöglich scheint, weil er weiß und sie farbig ist. Flora hat auch noch ganz andere Vorstellungen von ihrer Zukunft, die einen Mann per se überhaupt nicht vorsehen. Liebe möchte sie Amelia Earhart-mäßig eine berühmte Pilotin werden und hat auch das Zeug dazu. Und auch als Henry in ihrem Leben auftaucht, steht ihr Traum immer noch an erster Stelle. Yeah, Flora!

Henry selbst ist Waise und sieht sich im Zwiespalt – nur die Gunst des Vaters seines besten Freundes hat er überhaupt zu verdanken, dass er nicht auf der Straße sitzt. Eine arrangierte Ehe würde ihm diesen Platz auf Dauer sichern, doch von Liebe ist er hier weit entfernt. Er muss sich entscheiden, ob er seinem Herzen folgt oder sich für das bequeme Leben entscheidet.

Henrys bester Freund Ethan hat hingegen damit zu kämpfen, dass er homosexuell ist und von seiner ersten auf Gegenseitigkeit beruhenden Beziehung gleichzeitig überfordert und überwältigt ist. Gerade weil sein Vater ganz groß im Geschäft und gleichzeitig ganz groß im Ignorantsein ist, ist es für ihn ein Kampf, sich selbst über die Erwartungen seiner Familie zu stellen. Alle drei sind tolle Charaktere, die man gerne auf ihrem Weg begleitet.

Fazit

Das Buch besticht durch sein zeitliches Setting und durch die Protagonisten, die gegen die Widrigkeiten ihrer Zeit kämpfen müssen. Der Schreibstil ist aber nicht jedermanns Sache und Liebe und Tod als Figuren sind gewöhnungsbedürftig bis hin zu unsympathisch.

diversity inside

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4 Gedanken zu “|Rezension| Martha Brockenbrough „Das Spiel von Liebe und Tod“

  1. Miss Bookiverse schreibt:

    Ha, mir ging’s mit den Figuren genau andersherum. Liebe und Tod fand ich total interessant (und ich mochte Tod :P) und Henry und co. dafür eher blass bzw. uninteressant. Ich fand’s auch einfach doof, dass Liebe und Tod soo sehr an den beiden hingen und sie mit anderen unglaublichen Liebespaaren aus der Vergangenheit verglichen haben. Ich will gar nicht abstreiten wie schwer es zu der Zeit gewesen sein muss trotz unterschiedlicher Hautfarben eine Beziehung zu führen, aber sie waren damit ja nicht die Einzigen und irgendwie gab es nichts, was sie sonst besonders gemacht hat (bzw. einfach nicht SO besonders).
    Den Schreibstil fand ich eigentlich ganz schön, der hat mich gar nicht aufgehalten. Ich frag mich, ob das in der Übersetzung vielleicht noch ein Stück „sperriger“ geworden ist.

    • umblaettern schreibt:

      Tod in ihrer Rolle als Tod mochte ich auch, sie ist nur irgendwie nicht so gestaltet, dass man sich denkt: Mensch, was für ein sympathischer Charakter, so hab ich mir Tod nicht vorgestellt. Ich finde, sie ist genauso, wie man sich den Tod vorstellt und das ist halt nicht durchweg liebenswert. (:
      Jetzt wo du es sagst, stimmt das sogar mit den Liebespaaren – wobei ich mir denke, dass andere auch gar nicht so spektakulär wären, hätte man nicht über sie geschrieben und sie so berühmt gemacht, wie sie sind.
      Ich kann mir gut vorstellen, dass bei der Übersetzung ne Menge verloren gegangen ist beim Schreibstil – gerade bei solchen blumigen Texten ist das schwer, den richtigen Ton zu treffen.

  2. Cait @ Paper Fury schreibt:

    Oh I absolutely adored this book!!😍 But I do agree the writing style was pretty heavy going…like not something you could rush through? I took quite a long time to read it despite being a speedy reader, ahhaha. But I really loved the story and the personification of Death and Life was just brilliant! I kind of shipped them more than I ended up shipping Flora/Henry. Whoops. XD (Although they were adorable too!)

    Thanks for stopping by @ Paper Fury!

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