Rezensionen

|Blogprojekt| Otto de Kat

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Autor, Kritiker, Verleger

otto-de-katDer 1946 in Rotterdam geborene Otto de Kat (eigentlich Jan Geurt Gaarlandt) arbeitete nach seinem Studium schon lange als Literaturkritiker, bevor er selbst begann zu schreiben. 1986 gründete er den Verlag Balans, der sich größtenteils auf Sachbücher konzentriert. Nach der Veröffentlichung eines Gedichtbandes legte er eine 22jährige Pause ein, bis 1998 sein Debütroman „Man in de verte“ (Mann in der Ferne) erschien. Es folgten „Sehnsucht nach Kapstadt“ und die Fortsetzungsromane „Julia“, „Eine Tochter in Berlin“ und „Die längste Nacht“. Durch all seine Werke zieht sich die Beschäftigung mit der Vergangenheit – der persönlichen und der historischen.

Zwei Lebensgeschichten in einem Band

Zu seinem siebzigsten Geburtstag und passend zur Frankfurter Buchmesse erschienen nun seine beiden ersten Bücher als Sammelband bei Schöffling.

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Übersetzer: Andreas Ecke

256 Seiten, gebunden mit Lesebändchen

20 €

ISBN: 978-3-89561-532-0

In „Mann in der Ferne“ zieht es einen Mann immer wieder in die Welt, wo er jedoch keine neuen Abenteuer und Erfahrungen findet, sondern seine Liebe zu seiner Heimat, die Sehnsucht nach seiner Vergangenheit in den Niederlanden und den Menschen, die er in seinem Leben zurückgelassen hat. Alles, was er sieht und erlebt, zieht seine Gedanken zurück zu den glücklichen Tagen seiner Jugend – ein  Theaterstück, das er mit Leidenschaft gespielt hat, ein Nachmittag auf dem zugefrorenen Fluss mit seinem Vater und Bruder, die aufregende erste Liebe. Viel geschieht nicht, Minuten ziehen sich, denn der Erzähler beobachtet alles um sich herum mit Genauigkeit. Er verliert sich in Gedanken, Gefühlen und Erinnerungen. Vor allem Erinnerungen daran, wie er auf der Suche ist, verschiedene Länder bereist, schon damals immer auf der Suche nach etwas, das er selbst gar nicht greifen kann.

Sehnsucht nach Kapstadt“ spielt zwar ebenfalls vor einigen Jahrzehnten, trifft aber immer noch den Nerv heutiger Zeit – hier geht es um Abnabelung nicht nur von den Eltern, sondern auch vom alten Selbst, um das Reisen in die Ferne, um den eigenen Weg zu finden. Der Protagonist tut das mit einer auf den ersten Blick kaltschnäuzigen Vehemenz, bricht nicht nur die Zelte ab, sondern brennt sie gleich nieder, im Inneren aber dennoch irgendwie zerrissen. „Goldgräber in selbstgewählter Freiheit, frei von dem, was er gewesen war oder hätte werden sollen. Ein Jahr, zwei Jahre, fünf – untergetaucht, auf der Jagd, zeitlos, allein.“ Letztendlich landet der, der das vorgezeichnete Leben hinter sich lassen wollte, um Abenteurer zu werden, nur in einer andere, brutaleren Art eines fremdbestimmten Lebens im Krieg und in der Kriegsgefangenschaft, deren Erinnerung und Verluste er nie wieder loswird.

Poetisch und prägnant

Liest man Otto de Kat, erwarten einen bildgewaltige Lebensgeschichten und immer wieder die Beschäftigung mit dem zweiten Weltkrieg. Gleichzeitig prägnant und poetisch braucht der Autor dafür nicht viele Seiten, um einen starken Eindruck zu vermitteln. Man erhält gleichzeitig einen Blick in die Vergangenheit und findet in den Protagonisten immer wieder Lebensgeschichten, die sich auch heute noch in ihren Wünschen und Emotionen, ihren Fehlern, Erfolgen und Konsequenzen wiederholen. Die Erzählweise in Fragmenten ist gewöhnungsbedürftig, jedoch passend – immerhin geht es immer um Erinnerungen, die sich selten wie ein einziger Film in unserem Kopf abspielen.

„In einem dünnen Buch muss alles stimmen.“ – Otto de Kat –

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