Dystopie · Jugendbuch · Rezensionen

|Rezension| S. J. Kincaid „Diabolic“

diabolic

Arena * 03.01.2017  *  OT: The Diabolic * ISBN 978-3-401-60259-2

HC 18,99 €  * eBook 15,99 € * Autorin

Klappentext

Eine Diabolic ist stark.

Eine Diabolic kennt kein Mitleid.

Eine Diabolic hat eine einzige Aufgabe: Töte, um den einen Menschen zu schützen, für den du erschaffen wurdest.

Als Nemesis und Tyrus sich am Imperialen Kaiserhof begegnen, prallen Welten aufeinander. Sie – eine Diabolic, die tödlichste Waffe des gesamten Universums. Liebe ist ihr völlig fremd. Er – der Thronfolger des Imperiums, der von allen für wahnsinnig gehalten wird. Liebe ist etwas, das ihn nur schwächen würde. Dass ausgerechnet diese beiden zusammenfinden, darf nicht sein. Denn an einem Ort voller Intrigen und Machtspiele ist ein Funke Menschlichkeit eine gefährliche Schwachstelle …

Meinung

Diabolic spielt mit einer für mich sehr interessanten Idee: Kann man Gefühle wirklich genetisch einfach entfernen oder sind sie Teil unseres Seins? Nemesis ist kein normaler Mensch, sondern wurde in einem Labor gezüchtet, um an reiche Familien als emotionsloser und körperlich überlegener Bodyguard verkauft zu werden. Dabei werden ihre Gehirnregionen so verändert dass sie sich nur auf eine einzelne Person prägen, die sie mit ihrem Leben schützen, ansonsten aber keine Gefühle besitzen, obwohl sie hochintelligent sind. Der Leser sieht sich als mit einer Protagonistin konfrontiert, für die menschliche Emotionen fern von Angst und Wut erst einmal fremd sind und die einen durchweg sachlichen Blick auf die Welt hat und nur aus dem Grund handelt, Sidonia zu schützen, wobei sie auch nicht vor Mord zurückschreckt. Für den Charakter selbst ergibt sich die Chance, zu entdecken, dass mehr Menschlichkeit in ihr steckt, je weiter die Geschichte voranschreitet, bis zu dem Punkt, wo sie Liebe empfinden kann. Ihr gegenüber stehen erst Sidonia und Tyrus, die beide den Glauben an mehr in Nemesis vehement vertreten und diesen auch aus ihr herauskitzeln. Tyrus selbst ist vom Charakteraufbau zwar kein außergewöhnlicher Charakter, sondern entspricht dem gewohnten Typ gutaussehender Rebell, seine Vorgeschichte, in der er sich als völlig verrückter Thronerbe gebärdet, war, wenn auch durchschaubar, sehr amüsant.

Die Beziehung zwischen Nemesis und Tyrus entwickelt sich erst langsam ab der Hälfte des Buches und ist ein stetes Auf und Ab der Gefühle, bei dem es die Autorin schafft, dass der Leser selbst irgendwann an Tyrus Absichten zweifelt.

Die Welt, in der die Geschichte spielt, ist ebenfalls nicht wirklich ganz neu – eine Gruppe weniger Mächtiger herrschen über eine große Menge von ihnen abhängiger Personen, allen voran steht ein bösartiger Machthaber. Dieses Prinzip hat in den letzten Jahren immer gut funktioniert und weitet sich hier einfach auf das gesamte Universum aus, in dem die Mächtigen vom Weltall aus über Planeten herrschen, die zum Teil gar nicht ideal zu bewohnen und damit abhängig von den Ressourcen der Herrscher sind. Dieser Weltaufbau entwickelte sich aus unserer bekannten Welt, indem die Menschen mit Technologie das Weltall komplett für sich erschlossen und deswegen die Erde verlassen haben. Dies schlägt sich in ihrem Glauben nieder – sie verehren Helios, die Sonne, die das Leben auf der Erde möglich gemacht hatte. Immer wieder wird diese Entwicklung als versteckter erhobener Zeigefinger genutzt, dass man sich nicht nur auf Technik verlassen sollte, ohne sie richtig zu verstehen, da die falsche Verwendung und die Unfähigkeit, kaputte Maschinen zu reparieren eine Art menschlich geschaffene schwarze Löcher verursacht hat, die die Menschen bedrohen.

Schon im ersten Kapitel wird deutlich, dass hier nicht an Brutalität gespart wird. Sowohl Nemesis als auch Tyrus sind nicht zimperlich, wenn es um Mord geht, um ihre Ziele zu erreichen. Es gibt mehrere Kampfszenen, die man verfolgen kann, und unzählige Tote auf Tyrus Weg zum Imperator. Ebenso – aber auf eher moralisierende Weise – wird mit den Themen Drogen und Schönheitskult umgegangen. Zum einen ist es in der höheren Gesellschaft normal, sich mit allen möglichen Substanzen  gemeinsam zu vergnügen. Auch ist es den Menschen durch ihre Technologie möglich, ihr Aussehen komplett zu verändern wie es ihnen beliebt, und das innerhalb kürzester Zeitabstände und wenn gewünscht auch nur für ein bestimmtes Ereignis. Genmanipulation ist an der Tagesordnung. So sind alle Angestellten ebenfalls wie Nemesis laborgezüchtete Menschen, denen jegliche Meinungsfreiheit weggenommen wurde. Sogar Menschen, die nur einem Opferritual dienen, werden bereitwillig gezüchtet und verkauft, da man der Ansicht ist, dass Menschen aus dem Labor keine Seele besitzen.

Ein wenig schade finde ich ja, dass der Verlag zu dem Untertitel „Vom Zorn geküsst“ gegriffen hat. In meinen Augen steht in Diabolic zwar das Thema Gefühle, nicht aber das Thema Liebe im Vordergrund, was in einer Masse an Jugendbüchern mit romantischen Plots eine erfrischende Ausnahme darstellt. Ich glaube, hier werden von vornherein die Leser abgeschreckt, die die Nase voll haben von Dystopien, die sich plötzlich nur noch um die Beziehung der Protagonisten drehen.

Fazit

Ein sehr interessanter Titel mit neuartiger Idee in einem altbekannten Grundsetting. Die Protagonisten sind sehr entwicklungsfähig und undurchschaubar, die Geschichte actionreich erzählt, wenn auch nicht zimperlich mit Themen wie Mord und Drogen umgegangen wird.

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